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Der Offizier

Ein schwieriger Start

Als ich am 1. Oktober 1978 als Wehrpflichtiger zur Bundeswehr eingezogen wurde, hatten meine Eltern durchaus berechtigte Zweifel, ob das gut gehen würde. Ich galt als schwer erziehbar, und später wurde mir in einem Einstellungs­gutachten attestiert, dass ich unter erheblichen Subordinationsschwierigkeiten leiden würde.

Mein erster Konflikt mit dem System

Wie begründet diese Zweifel waren, zeigt sich auch darin, dass ich gegen den Musterungsbescheid Einspruch einlegte, weil mir der festgestellte Tauglichkeitsgrad 2 angesichts meiner körperlichen Fitness nicht angemessen erschien. Das daraus resultierende Verwaltungsverfahren führte dazu, dass ich – anders als für Abiturienten üblich – nicht zum 1. Juli einberufen wurde. Dies brachte mir kritische Rückfragen meines Vaters ein, da ich während meiner Schulzeit bereits zweimal eine Klasse wiederholen musste. Seine Anweisung war eindeutig: Ich hatte sicherzustellen, zum 1. Oktober einberufen zu werden.

Eigeninitiative bis ins Verteidi­gungs­ministerium

Also rief ich im Verteidigungsministerium an, verlangte nach dem damaligen Verteidigungsminister Hans Apel – mit dem ich selbstverständlich nicht verbunden wurde – und trug stattdessen einem Referenten mein Anliegen vor. Bereits drei Tage später erhielt ich meinen Einberufungsbescheid und fuhr kurzerhand nach Schwarzenborn. Dort zeigte ich diesen vor und entgegnete auf den Hinweis, drei Wochen zu früh zu sein, dass ich mir die Kaserne vorab ansehen wolle. Da ich mich nicht abwimmeln ließ, wurde ich zum Stabsgebäude gebracht, wo ich mein Anliegen mehreren Offizieren schilderte.

Mein Umgang mit Autoritäten

Meine Erklärung, ich wolle mir einen Eindruck verschaffen, ob es mir dort gefalle, führte zu der Frage eines Majors, was denn sei, wenn es mir nicht gefalle. Ich antwortete, dass ich dann nicht kommen würde. Den Hinweis auf meinen Einberufungsbescheid konterte ich mit dem Argument eines Formfehlers, da dieser mir erst drei Wochen vor dem Einberufungstermin zugestellt worden war. Daraufhin wurde ein Feldwebel gerufen, der mich durch die Kaserne führte.

Vom schwierigen Rekruten zum Oberst der Reserve

Am 7. März 2006 wurde ich vom Inspekteur des Heeres zum Oberst der Reserve ernannt. Bis dahin hatte ich zahlreiche Wehrübungen absolviert und als Offizier der Jägertruppe sämtliche Führungsverwendungen durchlaufen, die das deutsche Heer bietet. Höhepunkte meiner Laufbahn waren die Verwendung als Kommandeur des PzGrenBtl 412 (n.a.), als Chef des Stabes der PzGrenBrig 41 sowie als Referatsleiter im Bundesministerium der Verteidigung.